Zu welcher Schicht gehöre ich? Rechner zur Einordnung des Einkommens

Einkommensschicht Deutschland

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Mit 3.000 Euro netto allein zu leben, ist finanziell etwas anderes, als mit demselben Betrag eine vierköpfige Familie zu versorgen. Wer wissen möchte, zu welcher Einkommensschicht er gehört, muss deshalb mehr berücksichtigen als das eigene Gehalt. Entscheidend sind das verfügbare Einkommen des Haushalts, die Zahl der Personen und deren Alter.

Unser Rechner auf rechenhirn.de hilft dir bei dieser Einordnung. Im Folgenden erkläre ich, wie sich Einkommen vergleichbar machen lassen, welche Rolle das Medianeinkommen spielt und warum eine Einkommensschicht nicht die gesamte soziale Lage beschreibt.

Was der Rechner über deine Einkommensschicht aussagt

Die Frage „Zu welcher Schicht gehöre ich?“ lässt sich nicht mit einer einzigen Gehaltsgrenze beantworten. Eine einkommensbezogene Einordnung vergleicht die finanziellen Mittel deines Haushalts mit einem Referenzwert für die Bevölkerung. Dafür wird das Haushaltseinkommen zunächst an die Haushaltsgröße angepasst.

Die Berechnung folgt im Kern drei Schritten:

  1. Haushaltsnettoeinkommen ermitteln: Welche regelmäßigen Nettoeinkünfte stehen dem Haushalt insgesamt zur Verfügung?
  2. Haushaltsgröße berücksichtigen: Wie viele Erwachsene und Kinder leben von diesem Einkommen?
  3. Mit dem Median vergleichen: Wie hoch ist das angepasste Einkommen im Verhältnis zum mittleren Einkommen der Vergleichsgruppe?

Das Ergebnis beschreibt eine relative Einkommensposition. Es sagt nicht automatisch aus, ob du vermögend bist, hohe laufende Kosten hast oder finanziell abgesichert lebst.

Welches Einkommen gehört in die Berechnung?

Maßgeblich ist grundsätzlich nicht dein Bruttogehalt, sondern das verfügbare Nettoeinkommen des gesamten Haushalts. Je nach verwendeter Einkommensdefinition können dazu unter anderem folgende Einnahmen zählen:

  • Nettolöhne und Nettogehälter aller Haushaltsmitglieder,
  • Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit nach Steuern und entsprechenden Abgaben,
  • Renten und Pensionen,
  • Kindergeld, Unterhalt und weitere Transferzahlungen,
  • Einkünfte aus Vermietung oder Kapitalvermögen nach den jeweils anzusetzenden Abzügen.

Bei schwankenden Einnahmen ist ein Monatsdurchschnitt über ein ganzes Jahr meist aussagekräftiger als ein einzelner Monat. Regelmäßige Sonderzahlungen sollten dabei anteilig berücksichtigt werden.

Hinweis zur Eingabe: Vermische nicht Einkommen und frei verfügbares Restbudget. Bei einem üblichen Vergleich der Nettoeinkommen werden Miete, Lebensmittel und private Kreditraten nicht vorher vollständig abgezogen. Solche Ausgaben sind für deinen Lebensstandard wichtig, gehören aber in eine ergänzende Haushaltsrechnung.

Warum das Einkommen nicht einfach durch die Personenzahl geteilt wird

Mehrere Menschen in einem Haushalt können bestimmte Dinge gemeinsam nutzen: Wohnung, Internetanschluss oder Waschmaschine müssen nicht für jede Person separat bezahlt werden. Deshalb verwenden viele Einkommensanalysen ein bedarfsgewichtetes Einkommen, auch Nettoäquivalenzeinkommen genannt.

Eine verbreitete Grundlage dafür ist die modifizierte OECD-Skala:

  • Erste Person ab 14 Jahren: Gewicht 1,0
  • Jede weitere Person ab 14 Jahren: Gewicht 0,5
  • Jedes Kind unter 14 Jahren: Gewicht 0,3

Die Gewichte werden addiert. Anschließend wird das Haushaltsnettoeinkommen durch diese Summe geteilt.

Formel:
Nettoäquivalenzeinkommen = monatliches Haushaltsnettoeinkommen ÷ Summe der Personengewichte

Beispiel: Zwei Erwachsene und zwei jüngere Kinder

Ein Haushalt besteht aus zwei Erwachsenen sowie einem sechsjährigen und einem zehnjährigen Kind. Zusammen stehen ihm monatlich 4.500 Euro netto zur Verfügung.

Das Haushaltsgewicht beträgt:

1,0 + 0,5 + 0,3 + 0,3 = 2,1

Daraus ergibt sich:

4.500 Euro ÷ 2,1 = rund 2.142,86 Euro Nettoäquivalenzeinkommen

Für den Einkommensvergleich entspricht dieser Haushalt damit ungefähr einer alleinlebenden Person mit 2.142,86 Euro netto. Das ist eine statistische Vergleichsgröße – kein Betrag, der jedem Familienmitglied einzeln zur Verfügung steht.

Der Median ist der entscheidende Vergleichswert

Der Median ist das Einkommen in der Mitte einer Verteilung: Eine Hälfte liegt darunter, die andere darüber. Anders als der arithmetische Durchschnitt wird er durch einzelne sehr hohe Einkommen weniger stark beeinflusst.

Für einen sinnvollen Vergleich müssen die Größen zusammenpassen. Ein bedarfsgewichtetes Nettoeinkommen sollte mit einem Median der bedarfsgewichteten Nettoeinkommen verglichen werden – nicht mit einem durchschnittlichen Bruttogehalt von Vollzeitbeschäftigten.

Die relative Einkommensposition lässt sich so berechnen:

Einkommensposition in Prozent = eigenes Nettoäquivalenzeinkommen ÷ entsprechendes Medianeinkommen × 100

Liegt dein Wert bei 100 Prozent, entspricht dein angepasstes Einkommen genau dem Median. 150 Prozent bedeuten das Eineinhalbfache, 70 Prozent entsprechend sieben Zehntel des Referenzwerts.

Wo liegen die Grenzen zwischen niedrigen, mittleren und hohen Einkommen?

Es gibt keine überall verbindliche Definition der Einkommensschichten. Untersuchungen verwenden unterschiedliche Grenzen und unterteilen die Mitte teilweise noch weiter. Eine Einordnung ist deshalb nur verständlich, wenn die verwendeten Schwellen bekannt sind.

Für die folgenden Rechenbeispiele verwende ich dieses vereinfachte Modell:

  • Niedrige Einkommen: weniger als 75 Prozent des Medians
  • Mittlere Einkommen: mindestens 75, aber weniger als 200 Prozent des Medians
  • Hohe Einkommen: mindestens 200 Prozent des Medians

Diese Abgrenzung ist eine Modellentscheidung, keine amtliche Festlegung einer gesellschaftlichen Schicht. Sie muss auch nicht mit den Kategorien eines anderen Rechners oder einer bestimmten Studie übereinstimmen.

Zahlenbeispiele mit einem angenommenen Median

Die folgende Tabelle rechnet mit einem frei gewählten Median von 2.500 Euro nettoäquivalent pro Monat. Dieser Betrag dient ausschließlich zur Erklärung und ist keine Angabe zum aktuellen Medianeinkommen in Deutschland.

Besonders deutlich wird der Unterschied bei 3.000 Euro Haushaltsnetto: Eine alleinlebende Person erreicht im Beispiel 120 Prozent des Medians, ein Paar mit demselben Gesamteinkommen nur 80 Prozent.

Welche Einkommensgrenze gilt für eine Familie?

Eine Grenze für Alleinlebende lässt sich mit dem Haushaltsgewicht auf andere Haushalte übertragen. Im Beispiel beginnt der mittlere Einkommensbereich bei 75 Prozent von 2.500 Euro, also bei 1.875 Euro Nettoäquivalenzeinkommen.

Benötigtes Haushaltsnettoeinkommen = Grenze des Nettoäquivalenzeinkommens × Haushaltsgewicht

Alle Beträge sind monatliche Haushaltsnettoeinkommen. Ändern sich der zugrunde gelegte Median oder die gewählten Prozentgrenzen, ändern sich auch diese Schwellen.

Einkommensschicht ist nicht gleich Vermögen oder soziale Schicht

Ein Rechner zur Einkommensschicht betrachtet vor allem einen Geldzufluss. Vermögen beschreibt dagegen einen Bestand: etwa Ersparnisse, Wertpapiere und Immobilien abzüglich Schulden. Ein Haushalt kann wenig laufendes Einkommen haben und dennoch über erhebliches Vermögen verfügen.

Auch die tatsächlichen Lebensbedingungen können bei gleichem Einkommen weit auseinanderliegen. Eine schuldenfreie Wohnung, hohe Mietkosten, notwendige Pflegeausgaben oder unsichere Beschäftigung verändern den finanziellen Spielraum. Eine soziale Schicht wird zudem nicht allein über Geld beschrieben; je nach Ansatz spielen auch Bildung und berufliche Stellung eine Rolle.

Deshalb ist „einkommensstark“ die präzisere Aussage als eine pauschale Zuordnung zur „Oberschicht“. Ebenso bedeutet ein Einkommen unterhalb der hier gewählten Mittelschichtsgrenze nicht automatisch, dass ein Haushalt nach einer bestimmten statistischen Definition armutsgefährdet ist.

Häufige Fragen zur Berechnung

Gehöre ich mit 3.000 Euro netto zur Mittelschicht?

Das hängt davon ab, ob 3.000 Euro dein persönliches Einkommen oder das gesamte Haushaltseinkommen sind, wie viele Menschen davon leben und welcher Referenzwert verwendet wird. Ohne diese Angaben ist eine belastbare Einordnung nicht möglich.

Wird die Miete vom Nettoeinkommen abgezogen?

Bei üblichen Vergleichen des verfügbaren Nettoeinkommens wird die tatsächlich gezahlte Miete nicht vorher individuell abgezogen. Für die Frage, wie viel Geld dir im Alltag bleibt, solltest du die Wohnkosten zusätzlich betrachten.

Warum kann ein anderer Rechner ein anderes Ergebnis anzeigen?

Mögliche Gründe sind unterschiedliche Bezugsjahre, Medianwerte, Einkommensdefinitionen oder Schichtgrenzen. Auch abweichende Angaben zur Haushaltsgröße verändern das Ergebnis. Vergleiche deshalb nicht nur die Bezeichnung der Einkommensgruppe, sondern auch die Berechnungsgrundlage.

Was passiert, wenn ein Kind 14 Jahre alt wird?

Bei der modifizierten OECD-Skala steigt sein Gewicht von 0,3 auf 0,5. Bei unverändertem Haushaltsnettoeinkommen sinkt dadurch das berechnete Nettoäquivalenzeinkommen. Die Altersgrenze ist eine statistische Vereinfachung; der tatsächliche Bedarf verändert sich natürlich nicht sprunghaft an einem Geburtstag.